Kinderpsychiatrie Systemisch
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Was ist die ASK – Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie e.V.?

Was ist die ASK – Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie e.V.?

Systemische Therapie hat in der Kinder- und Jugendpsychiatrie lange Zeit ein Schattendasein geführt – ein Randphänomen neben den dominierenden biologischen und kognitiv-verhaltenstherapeutischen Paradigmen. Die ASK e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern: als Fachverband, als Netzwerk und als wissenschaftliche Plattform für alle, die überzeugt sind, dass psychisches Leid bei Kindern und Jugendlichen nie losgelöst von ihren Beziehungs- und Lebenssystemen verstanden werden kann.

Gründung und Selbstverständnis

Die Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie – kurz ASK e.V. – ist ein eingetragener Verein, der Fachleute aus Psychiatrie, Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie verwandten Disziplinen zusammenbringt. Im Mittelpunkt steht das systemische Denken: die Überzeugung, dass Symptome, Störungsbilder und Entwicklungsauffälligkeiten nicht isoliert im Individuum verortet werden sollten, sondern als Ausdruck von Mustern in Familien, Institutionen und sozialen Kontexten zu verstehen sind.

Dieser Ansatz ist keine bloße theoretische Haltung. Er hat unmittelbare Konsequenzen für Diagnostik, Behandlungsplanung und therapeutische Praxis – und genau diese Konsequenzen zu durchdenken und weiterzuentwickeln ist das Kerngeschäft der ASK.

Ziele des Fachverbands

Förderung systemischer Methoden in Klinik und Praxis

Die ASK setzt sich dafür ein, systemische Konzepte in der klinischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zu verankern. Das schließt die klassische Familientherapie ebenso ein wie neuere systemische Kurzzeitinterventionen, zirkuläres Befragen, Reflecting Teams oder systemisch informierte Diagnostik.

Wissenschaftlicher Austausch und Publikationen

Ein wesentliches Ziel ist die Förderung des fachlichen Diskurses. Die ASK veröffentlicht Artikel zu klinisch relevanten Themen – von Suchterkrankungen im Jugendalter bis hin zu Fragen der Klassifikation psychischer Störungen unter systemischer Perspektive. Auch komplexere theoretische Fragen, etwa zur Anwendung dynamischer Systemtheorie und Attraktorkonzepte auf psychische Prozesse, finden hier Raum.

Vernetzung der Fachcommunity

Im deutschsprachigen Raum gibt es viele Einzelkämpfer: Therapeutinnen und Therapeuten, die systemisch arbeiten wollen, aber in Kliniken oder Praxen oft institutionell wenig Rückhalt finden. Die ASK schafft Verbindungen – zwischen Niedergelassenen und Kliniken, zwischen Forschung und Praxis, zwischen erfahrenen Fachleuten und denen, die gerade ihre systemische Ausbildung abschließen.

Mitglieder und Zielgruppe

Die Mitglieder der ASK kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern: Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater, Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie klinische Forscherinnen und Forscher. Verbindend ist nicht eine einheitliche schulische Herkunft, sondern das Interesse an systemischen Konzepten und deren Anwendbarkeit auf die besondere Klientel der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Das macht die ASK zu einem ungewöhnlichen Fachverband: Sie denkt disziplinübergreifend, ohne dabei das spezifische klinische Feld aus dem Blick zu verlieren.

Einbettung in den deutschsprachigen Fachdiskurs

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland ist institutionell stark durch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) geprägt, die als wissenschaftliche Fachgesellschaft Standards setzt, Leitlinien entwickelt und den fachpolitischen Diskurs mitbestimmt. Die ASK agiert in diesem Kontext nicht als Konkurrenz, sondern als spezialisierte Stimme, die systemische Perspektiven in einen Fachdiskurs einbringt, der historisch von anderen Behandlungsparadigmen dominiert wurde.

Gerade die wachsende Anerkennung der Systemischen Therapie als eigenständiges psychotherapeutisches Verfahren – seit 2019 im deutschen Kassensystem zugelassen – hat der Arbeit der ASK neuen Rückenwind gegeben.

Ressourcen und inhaltliche Schwerpunkte

Auf der Website der ASK wurden über Jahre hinweg klinische und theoretische Texte gesammelt, die den Stand der systemischen Kinder- und Jugendpsychiatrie dokumentieren. Thematisch reichen sie von konkreten Behandlungskonzepten bei Substanzstörungen über Fragen der Diagnostik und Klassifikation bis zu grundlagentheoretischen Überlegungen zur Systemtheorie.

Diese Ressourcen richten sich nicht an ein allgemeines Publikum, sondern an Fachleute, die bereits mit systemischem Denken vertraut sind und nach vertiefenden Impulsen suchen.

Relevanz heute

In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zunehmen und das Versorgungssystem an seine Grenzen stößt, gewinnen systemische Ansätze an Bedeutung – nicht zuletzt weil sie Familien als Ressource begreifen statt als Störfaktor. Die ASK ist dabei eine der wenigen Institutionen im deutschsprachigen Raum, die diesen Ansatz explizit im psychiatrischen Kontext positioniert und weiterentwickelt.

Wer systemisch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet oder arbeiten möchte, findet in der Arbeitsgemeinschaft Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie e.V. einen Fachverband, der die eigene klinische Haltung ernst nimmt und ihr einen professionellen Rahmen gibt.